Joinettesausstellung im Stadtmuseum

Joinettes sind Bilder einer ganz neuen, bisher einmaligen Art von Bildgestaltung. Sie wurde erstmals während […]

Joinettes sind Bilder einer ganz neuen, bisher einmaligen Art von Bildgestaltung. Sie wurde erstmals während der Weltausstellung EXPO 2000 im Copthorne Hotel Hannover einer interessierten Öffentlichkeit präsentiert. Vom 12. März bis 24. Juli werden die Kunstwerke in einer Sonderausstellung im Stadtmuseum Pirna zu sehen sein.

Die Bilder werden aus mehreren Papierservietten zusammengesetzt („pictures of joined serviettes“). Dabei erfolgt die Bildkomposition der in Farbe, Form und Design unterschiedlichen Servietten ausschließlich durch Falten und Legen, ohne sie zu zerstören. Sie werden weder zerschnitten noch zusammengeklebt. Es werden auch keine einzelnen Lagen entfernt. Für viele JOINETTES verwendet die Künstlerin zwischen 12 und 20 Servietten, einige Bilder enthalten mehr als 30, der Spitzenreiter „Arabia“ sogar 40 Servietten. Die gezeigten Bilder sind vollflächig in verschiedenen Formaten von 30 x 30 bis 70 x 50 cm gestaltet.Jedes Bild ist ein Unikat. Bisher sind auf diese Weise etwa 100 Joinettes zu verschiedensten Themen entstanden. Die Papierserviette, Zierde eines schön gedeckten Tisches, avanciert so von einem einfachen Gebrauchsartikel zum interessanten Objekt kreativer,
künstlerischer Betätigung. Die Ausstellung gibt auch einen kleinen Exkurs in die Geschichte der Serviette
und zeigt die gestalterische Vielfalt der modernen Papierserviette. Bereits die Antike kannte Mundtücher aus Stoff. Mit dem Untergang des Weströmischen Reiches ging jedoch ein Großteil der damaligen Tischkultur verloren, das
Mundtuch geriet in Vergessenheit. Im Mittelalter benutzte man zum Essen den Löffel, das Messer zum Portionieren fester Speisen und die Finger. Die Gabel war bis in das 16. Jahrhundert hinein in weiten Teilen Europas als Tischbesteck unbekannt. Das Säubern der Finger erfolgte im frühen Mittelalter durch Ablecken oder Abwischen an der Kleidung. Tischwäsche kam erst im Spätmittelalter auf. Anfangs dienten die Tischtücher zum Abwischen von Mund und Händen. In besser gestellten Haushalten gab es extra an der Tafel angebrachte Tücher. Später wurde das Mundtuch über der Schulter oder dem linken Arm getragen. Noch heute kann dieser Brauch in vornehmeren Gasthäusern beim Servieren beobachtet werden.

Das Mundtuch kann als Vorläufer der Stoffserviette angesehen werden. Besonders in der Barockzeit verfeinerten sich die Tafelsitten. Die Benutzung von Servietten bei Mahlzeiten war Ausdruck gehobener Kultur. Sie wurde in verschiedenen Größen aus Baumwolle oder Leinen hergestellt. Die Bezeichnung leitet sich vom lateinischen „servus“ für Diener oder Sklave ab. Reiche Gastgeber benutzten ab dem 17. Jahrhundert Tischtücher und Servietten aus Damast. Von Frankreichs Königshof ausgehend entfaltete sich eine für ganz Europa wegweisende Tischkultur, in der das Mund- oder Tellertuch (französisch Serviette) seinen festen Platz einnahm.
Im 19. Jahrhundert legte auch das Kleinbürgertum erhöhten Wert auf feinere Tischsitten. Mit Monogrammen bestickte Stoffservietten gehörten zur Aussteuer. Im 20. Jahrhundert ging die Entwicklung weg von pompöser Üppigkeit einer Festtafel, hin zu mehr eleganter Einfachheit, aber mit der kunstvoll gefalteten Serviette als wichtigstem Utensil. Im Zuge des Wirtschaftswunders und zunehmenden Wohlstands nach dem 2. Weltkrieg gewann feinere Tischkultur wieder an Bedeutung. Servietten aus Stoff durften auf keiner Festtafel fehlen.
1953 war das Geburtsjahr der weißen Serviette aus Papier, erstmals hergestellt von der Firma Duni in Bramsche bei Oldenburg, heute einer der bekanntesten Produzenten. Die Papierserviette besteht aus gekrepptem Tissue-Papier. Als Faser verwendet man Zellstoff, ein- oder mehrlagig, weiß oder gefärbt, geprägt oder auch bedruckt. Seit den 1970er Jahren verdrängten Servietten aus Papier jene aus Stoff, die fast nur noch in der gehobenen Gastronomie anzutreffen sind. Die Vorteile der Papierserviette liegen im geringen Preis, in besserer Hygiene sowie im Wegfall des Waschens, Stärkens und Bügelns. Vielfältige Designs setzen schöne Akzente auf einer festlichen Tafel. Sie sind aber auch in der „schnellen Gastronomie“ ein nicht mehr wegzudenkender Gebrauchsartikel.
Übrigens: Mit dem Entfalten der Serviette gibt der Gastgeber das Zeichen zum Beginn des Essens. Die Serviette wird, einmal zum Rechteck gefaltet, auf den Schoß gelegt. Nach dem Essen wird sie zusammengefaltet neben dem Teller zurückgelassen.

Die Sonderausstellung kann während der gewohnten Öffnungszeiten, Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen jeweils von 10 bis 17 Uhr, besichtigt werden und ist im regulären Museumseintritt enthalten. Begleitend zur Sonderausstellung wird es verschiedene Veranstaltungen im Stadtmuseum, wie zum Beispiel Vorträge der Künstlerin samt Führungen durch die Ausstellung geben.

www.pirna.de