Neu aufgewickelt – ein Stück Pirnaer Industriegeschichte

Eine Ewigkeit hat Hugo Küttner herumexperimentiert, um Kunstseide in weniger lebensgefährlichen Verfahren herstellen zu können. […]

Eine Ewigkeit hat Hugo Küttner herumexperimentiert, um Kunstseide in weniger lebensgefährlichen Verfahren herstellen zu können. Der ehrgeizige Sprössling einer Textildynastie aus dem erzgebirgischen Sehma konnte nach zähen Kämpfen mit dem Pirnaer Stadtrat 1909 schließlich ein Kunstseidewerk hochziehen; auf einem ehemaligen Exerziergelände vor den Toren Großsedlitz’. 90 Jahre lang brachte es Menschen aus der ganzen Region in Lohn und Brot. Hugo Küttner, der Inflation und Wirtschaftskrise und Zwangsenteignung durch die Nazis erlebte, starb am Tag der deutschen Kapitulation 1945, als er mit dem Rad von Dresden nach Pirna fuhr. Bis 1993 hielt das Werk durch, das zwischenzeitlich fast nur noch Ruine war. Mit dem gestreckten Galopp der Nachwendezeit konnte es nicht mehr mithalten. Am 29. April trafen sich ehemalige Mitarbeiter zur Enthüllung eines Gedenksteins, der an eine glanzvolle Episode Pirnas als Industriestandort erinnern soll.