Welche Zukunft hat das „Retter“-Spiel beim Stadtfest?

Zu den neuen Ideen beim diesjährigen Stadtfest gehört die Verlegung des Historienspiels „Der Retter“ in den Zollhof. Bisher waren die Aufführungen immer auf dem Marktplatz zu sehen. Der Verein kann sich allerdings nur schwer mit der neuen Spielstätte anfreunden und sieht den Stellenwert der Stadthistorie beim Stadtfest schwinden.

3 Kommentare zu "Welche Zukunft hat das „Retter“-Spiel beim Stadtfest?"

  1. Dr. Reinhard Grunert | 29. Februar 2012 um 17:19 |

    Das Historienspiel „Der Retter“ ist wieder zum festen Bestandteil unseres Stadtfestes geworden
    und gehört nach meiner Meinung auf den Markt als der historische Höhepunkt zu jedem Stadtfest.

    Im Jahre 2009 dokumentierte ich mit mehr als 600 Fotos und zahlreichen Bild-Ton-Sequenzen in
    chronologischer Abfolge den Spielverlauf.
    In Auswertung des Materials fiel auf, dass die Spieldynamik von über 100 Mitwirkenden begleitet
    und von Handlungsträgern durch Wort, Spiel und Gesang geführt wird.
    Das bedarf einer guten Tontechnik, räumlich ausreichendem Handlungsspielraum
    und nicht zuletzt guter Sichtverhältnisse für eine große Zahl von Zuschauern.
    Pferde gehören zur Szenerie und die historische Marktkulisse verleiht die notwendige Identität mit
    und den historischen Bezug zum Inhalt.

    Gerade jetzt, da die Marktfassaden wieder in vollem Glanz erstrahlen, gibt es für mich keine Alternative
    zur historischen Spielstätte Markt.
    Jeder andere Ort bedeutet eine Abwertung von Inhalt und Aussage des Historienspiels.

    Dr. Reinhard Grunert

  2. Ich freu mich mit Euch, freue mich, das unsre schöne Heimatstadt nicht brennt, das all das Elend jetzt vorbei. Doch fast ausgestorben ist die Sadt. Zerstört, verwüstet jedes Haus. Wir alle sind dem Tod geweiht, wenn wir nicht fest zusammen stehn. Drum höhrt mich an, reicht Euch die Hand, zu festem Bund, zu starker treuer Einigkeit.

    Wir wollen uns helfen in der Not,gemeinsam tragen alles Leid ,aufbauen was der Krieg zerstört und schaffen ohne Unterlass. Das unsre liebe Heimatstadt, aufblühen soll, zu neuem Glück.

    Th. Jacobäer
    Apotheker zu Pirna
    anno 1639

    Im Kriegsjahr 1639 fielen schwedische Truppen unter Feldmarschall Banér in Pirna ein. Die Soldaten plünderten die Stadt und drangsalierten die Einwohner. Die schwedische Besatzungszeit ging als das sprichwörtliche „Pirn’sche Elend“ in die Stadtgeschichte ein. Schließlich sollte die Stadt sogar abgebrannt werden. Um das zu verhindern, ritt Jacobäer am 25. September 1639 zur sächsische Kurprinzessin Magdalena Sibylle von Brandenburg-Bayreuth an den Dresdner Hof. Die Kurprinzessin, eine Freundin der schwedischen Königin, schrieb einen Bittbrief an Banér und bat ihn, vom Abbrennen der Stadt abzusehen. Als Banér den Brief erhielt, verschonte er tatsächlich die Stadt und zog mit seinen Truppen weiter. Auf diese Weise rettete Jacobäer mit seinem beherzten Einsatz seine Heimatstadt.

    In Anerkennung seiner mutigen Leistung übertrug der Rat der Stadt Jacobäer noch 1639 das Amt eines kurfürstlichen Land- und Tranksteuereinnehmers. Zudem erhielt er die Braugerechtsame für sein Haus verliehen. Bereits 1634 wurde Jacobäer in den Rat der Stadt gewählt, er lehnte dieses Amt jedoch aus arbeitsmäßigen Gründen ab.

    Jacobäer wirkte weiter als Apotheker der Löwenapotheke. Noch während des Dreißigjährigen Krieges verstarb 1640 seine zweite Frau Anna Maria. Jacobäers dritte Frau war Johanna Charitas, die Witwe seines ehemaligen Vorgesetzten Jodocus Müller, Inhaber der Dresdner Marienapotheke. Aus Jacobäers Ehen gingen 8 Kinder hervor.

    1659 stellte Kurfürst Johann Georg II. einen Privilegienbrief aus, der Jacobäer das Apothekermonopol in einem zwei Meilen Umkreis im die Stadt Pirna garantierte. Bereits 1654 hatte Kurfürst Johann Georg I. den Rat der Stadt Pirna angewiesen, Jacobäers Geschäfte gegen die fahrenden und wandernden Apotheker zu schützen, die ohne Privileg insbesondere auf Jahrmärkten Kräuter und Tinkturen anboten.

    Theophilus Jacobäer starb am 29. Juli 1659.

    An Jacobäers Rettungstat während des Dreißigjährigen Krieges erinnert heute das Theaterstück „Der Retter“, welches seit 2001 wieder regelmäßig zum Stadtfest oder anderen Gelegenheiten von einer Laienschauspielgruppe aufgeführt wird. An den Einfall der Schweden am 23. April 1639 erinnert die jährlich an diesem Tag nachgespielte Belagerung des Rathauses.

    Nach Theophilus Jacobäer ist die Jacobäerstraße in der Innenstadt benannt. Eine Gedenktafel befindet sich an seinem ehemaligen Haus auf der Nordseite des Marktplatzes. Die einstige, von Jacbäer betriebene Löwenapotheke bestand hier bis zum Hochwasser 2002.

  3. Werner Rehbein | 1. März 2012 um 14:59 |

    Es wurde Zeit. Wirklich. Pirnaer mögen es schon nicht mehr sehen und Touristen lockt die Aufführung nicht wirklich an. Leid tut es mir für viele Akteure, deren Herzblut daran hängt. Nicht Leid tut es mir für die Akteure, deren Herzblut von Jahr zu Jahr zunehmend ausartender Profilierungssucht gewichen ist.

    W. Rehbein

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